Schwäbisches Tagblatt, 6. Juni 2006:
Weil der Schönbuch so schön ist
Durch liebliche Täler und urwüchsiges Gehölz - und durch neun bewegte Jahrhunderte führte die Schönbuch-Wanderung mit Historikerin Franziska Blum, die mit jeder Menge Sachkenntnis und launigen Anekdoten “von Klöstern, Schlössern und Jagdhütten” zu berichten wusste.
In der Frühe “eine Morgensuppen”, später Brot, Gemüse, Fleisch - “und dazu ziemlich Wein”: Eine Urkunde des Klosters Bebenhausen zitierend räumt Franziska Blum gleich zu Beginn mit gängien Vorstellungen auf. Ganz so schlecht scheint das düstere Mittelalter ja doch nicht gewesen zu sein. So wurde den Leibeigenen des Klosters zwar auferlegt, jeden Dienstag nach Pfingsten den Mühlkanal zu reinigen. Im Gegenzug für diese jährliche “Kehrwoche” wurden die Bauern an diesem Tag jedoch reichlich verköstigt und mit “Maß und Brot zum Heimtragen” wurden sogar die Daheimgebliebenen bedacht. [...]
Schöne Aussichten ergeben sich auch an der letzten Station der Schönbuch-Wanderung, der Königlichen Jagdhütte, die von Wilhelm II. von Württemberg errichtet wurde. Anders als sein Vorfahre Friedrich pflegte der letzte württembergische König, der 1921 in Bebenhausen starb, die bürgerliche Jagd auf der Pirsch. Überaus bescheiden nimmt sich die Jagdhütte aus und “auch sonst gab sich der Bürgerkönig Wilhelm volksnah”, weiß Blum, die in württembergischer Landesgeschichte promoviert hat. Unauffällig gekleidet wurde der Aristokrat bei seinen Spaziergängen durch den Schönbuch schon mal für einen ganz normalen Tübinger Bürger gehalten oder mit einem saloppen “Grüß Gott, Herr König” begrüßt.
Als wahrhaft königlich empfinden die Wanderer bei ihrer Rast an der Hütte dagegen den Blick auf die Schwäbische Alb. “Und warum heißt der Schönbuch eigentlich Schönbuch?”, fragt die Historikerin am Ende der Wanderung. Mit Buchen, wie die Teilnehmer mutmaßen, habe der Name wenig zu tun. Er leite sich von dem Begriff “Shaienbuch” ab. Doch vielleicht mag auch der jüngste Exkursionsteilnehmer, der neunjährige Kai, mit seiner Antwort recht haben: “... weil der Schönbuch so schön ist.”
Schwäbisches Tagblatt, 20. August 2007:
Wenn der Drachenzeiger aktiv wird
Wie lebendig die Geschichte Tübingens bei einem Gang durch die Altstadt werden kann, zeigte die Historikerin Franziska Blum.
Nicht alle Uhren in Tübingen messen die Zeit. Auf dem Tübinger Marktplatz lenkte die Historikerin Franziska Blum die Blicke ihrer Zuhörer weit nach oben, auf den Ziergiebel des Rathauses. Dort sieht man die astronomische Uhr, die der Mathematik- und Astronomie-Professor Johannes Stöffler im Jahr 1511 konstruiert hat. Sie gibt den Stand von Sonne und Mond an - und, mit ihrem dritten Zeiger, dem so genannten Drachenzeiger, deren etwaige Finsternisse. “Sie hat die Sonnenfinsternis des Jahres 1999 exakt angegeben.” In einem solchen Fall “verschluckt” der Drachenzeiger für kurze Zeit Sonne und Mond.
“Das ist in Tübingen so schön, die verwinkelten Ecken und Gässchen”, begeisterte sich eine Zuhörerin auf dem Treppenweg von der Neckarhalde zum Schloss. Dessen Grundstein stammt aus dem Jahre 1507. “Die frühere Burg war wesentlich kleiner als das Schloss, etwa so groß wie der Innenhof.” Es war Herzog Ulrich, der die Ritterburg abreißen und die Burggräben zuschütten ließ. Auf ihnen erheben sich nun die Mauern seines Schlosses, das seit Ende des 18. Jahrhunderts von der Universität genutzt wird. “Die Galerie war einst Zuschauertribüne für Turniere”. Im Bärengraben, dem unteren Schlossgraben, lebten zeitweilig ein paar Löwen, die Herzog Christoph zum Geschenk erhalten hatte.
Die Zeiten ändern sich ..
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